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Kostenrechnung · KLR II · Lektion 3

Anwendung der Deckungsbeitragsrechnung

Autor: Dipl.-Kfm. Michael Schröder, Steuerberater Level: Fortgeschritten
Lernziele
  • Deckungsbeitragsrechnung für Sortimentspolitik und Produktprogrammoptimierung einsetzen
  • Engpasssituationen mit spezifischen Deckungsbeiträgen lösen
  • Eigenfertigungs- vs. Fremdbezugsentscheidungen treffen
  • Preisgrenzen mit der Deckungsbeitragsrechnung ermitteln
Sortimentspolitik & Produktprogrammoptimierung Optimierung bei Kapazitätsengpässen Eigenfertigung oder Fremdbezug Ermittlung von Preisgrenzen Übungen mit Lösungen Zusammenfassung
A

Sortimentspolitik & Produktprogrammoptimierung

Die Deckungsbeitragsrechnung lässt sich für die Sortimentspolitik und die Produktprogrammoptimierung einsetzen — sie zeigt, welche Produkte den größten Beitrag zur Deckung der Fixkosten und zum Betriebsergebnis leisten.

GrundregelOhne Engpass gilt: Produkte mit positivem Deckungsbeitrag sollten grundsätzlich im Sortiment bleiben, auch wenn sie die Vollkosten (inkl. anteiliger Fixkosten) nicht decken — sie tragen trotzdem zur Fixkostendeckung bei.
Achtung bei negativem DeckungsbeitragEin Produkt mit dauerhaft negativem Deckungsbeitrag (Erlös < variable Kosten) sollte aus dem Sortiment genommen werden — es verschlechtert das Betriebsergebnis mit jeder verkauften Einheit.
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B

Optimierung bei Kapazitätsengpässen

Die Produktprogrammoptimierung ist abhängig von der Planungsfrist, Höchst- und Mindestmengen und von eventuellen Engpässen.

Ohne EngpassRangfolge nach dem (absoluten) Stückdeckungsbeitrag.
Mit Engpass (z. B. begrenzte Maschinenstunden) Rangfolge nach dem spezifischen Deckungsbeitrag — Deckungsbeitrag je Einheit des Engpassfaktors:

Formel: spezifischer DB = Stückdeckungsbeitrag ÷ Engpassbeanspruchung je Stück
Beispiel Produkt A: db = 20 €, benötigt 2 Maschinenstunden → spez. DB = 10 €/Std.
Produkt B: db = 15 €, benötigt 1 Maschinenstunde → spez. DB = 15 €/Std.
Bei knapper Maschinenkapazität ist Produkt B vorzuziehen, obwohl sein Stückdeckungsbeitrag niedriger ist als bei A — es nutzt den Engpass effizienter.
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C

Eigenfertigung oder Fremdbezug

Weitere Anwendung der Deckungsbeitragsrechnung: Entscheidungen über Eigenfertigung oder Fremdbezug (Make-or-Buy).

Kurzfristige BetrachtungSolange keine freien Kapazitäten anderweitig genutzt werden können, sind für den Vergleich nur die variablen Kosten der Eigenfertigung dem Fremdbezugspreis gegenüberzustellen — Fixkosten fallen ohnehin an (sunk costs, kurzfristig nicht entscheidungsrelevant).
Beispiel Variable Kosten der Eigenfertigung: 18 €/Stück. Angebot eines Fremdanbieters: 16 €/Stück.
Kurzfristig ist der Fremdbezug günstiger — sofern keine alternative Verwendung für die freiwerdende Kapazität besteht, die einen höheren Deckungsbeitrag liefern würde.
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D

Ermittlung von Preisgrenzen

Kurzfristige Preisuntergrenze Entspricht den variablen Stückkosten — jeder Preis darüber leistet einen (wenn auch kleinen) Deckungsbeitrag.
Langfristige Preisuntergrenze Entspricht den vollen Selbstkosten pro Stück (variable + anteilige fixe Kosten) — nur so ist das Unternehmen auf Dauer rentabel.
Beispiel Variable Stückkosten: 12 €. Anteilige Fixkosten: 5 €.
Kurzfristige Preisuntergrenze: 12 € (z. B. für Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten)
Langfristige Preisuntergrenze: 17 € (für dauerhaft rentablen Verkauf)
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E

Übungen mit Lösungen

Übung 1 · Engpassoptimierung

Produkt X: db = 30 €, benötigt 3 Engpassstunden. Produkt Y: db = 24 €, benötigt 2 Engpassstunden. Welches Produkt sollte bei knapper Kapazität bevorzugt werden?

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Spez. DB X = 30 € ÷ 3 = 10 €/Std. Spez. DB Y = 24 € ÷ 2 = 12 €/Std. → Produkt Y ist trotz niedrigerem absoluten DB vorzuziehen, da es den Engpass effizienter nutzt.

Übung 2 · Make-or-Buy

Variable Kosten der Eigenfertigung: 22 €/Stück. Angebot eines Zulieferers: 19 €/Stück. Keine anderweitige Nutzung der freien Kapazität möglich. Wie lautet die kurzfristige Entscheidung?

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Fremdbezug ist kurzfristig günstiger (19 € < 22 €), da die Fixkosten ohnehin anfallen und nur die variablen Kosten entscheidungsrelevant sind.

Übung 3 · Preisuntergrenzen

Variable Stückkosten: 18 €, anteilige Fixkosten: 7 €. Nennen Sie kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze.

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Kurzfristige Preisuntergrenze = 18 € (variable Kosten). Langfristige Preisuntergrenze = 18 € + 7 € = 25 € (volle Selbstkosten).

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Σ

Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Deckungsbeitragsrechnung dient der Sortimentspolitik und Produktprogrammoptimierung
  • Bei Kapazitätsengpässen entscheidet der spezifische (nicht der absolute) Deckungsbeitrag
  • Bei Make-or-Buy-Entscheidungen sind kurzfristig nur die variablen Kosten relevant
  • Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten; langfristige = volle Selbstkosten
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