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Lektion 3 · Konto #0120

Doppelte Buchführung: Soll und Haben

Autor: Dipl.-Kfm. Michael Schröder, Steuerberater Level: Einsteiger, mit Übungen
Nach dieser Lektion können Sie
  • das System der doppelten Buchführung sicher erklären (Soll/Haben, Dualität, Ausgleich)
  • Geschäftsvorfälle korrekt auf Aktiv- und Passivkonten buchen
  • Aufwand und Ertrag auf Erfolgskonten erfassen und über GuV sowie Eigenkapital abschließen
  • Einlagen/Entnahmen erfolgsneutral über das Privatkonto verbuchen
  • Buchungssätze mit einer kurzen Plausibilitätsprüfung kontrollieren
Lernvideo Das System verstehen Bestandskonten buchen Erfolgskonten buchen Eigenkapital & Privatkonto Mini-Fallstudie Übungen mit Lösungen Häufige Fehler & Checkliste Zusammenfassung FAQ

Lernvideo: Doppelte Buchführung einfach erklärt

A

Das System der doppelten Buchführung

Die doppelte Buchführung ist das Fundament der kaufmännischen Finanzbuchhaltung. Jeder Geschäftsvorfall hat zwei gleichwertige, gegenläufige Wirkungen und wird daher auf mindestens zwei Konten erfasst.

Dualität und Ausgleich

  • Dualitätsprinzip: Jede Transaktion wird mindestens zweimal gebucht — einmal im Soll, einmal im Haben
  • Ausgleichsprinzip: Summe Soll = Summe Haben, immer, auch bei zusammengesetzten Buchungssätzen

Kontenarten im Überblick

  • Bestandskonten (Bilanz): Aktiv und Passiv — zeigen Vermögen und Kapital
  • Erfolgskonten (GuV): Aufwand und Ertrag — zeigen das Ergebnis des Jahres
Merkkasten: Was beantwortet welches Konto? Aktivkonto: Was besitzt das Unternehmen? (Bank, Kasse, Forderungen)
Passivkonto: Woher kommt das Kapital? (Eigenkapital, Darlehen, Verbindlichkeiten)
Aufwand: Was hat das Jahr „gekostet"? (Miete, Telefon, Material)
Ertrag: Was hat das Jahr „eingebracht"? (Umsatzerlöse)

„Soll" und „Haben" — Kontoseiten, keine Wertung

Wichtig„Soll" bedeutet nicht automatisch „Zugang" — und „Haben" nicht automatisch „Abgang". Soll ist die linke Kontoseite, Haben die rechte. Ob eine Buchung Zugang oder Abgang darstellt, hängt vom Kontotyp ab.

Buchungssatz: Soll an Haben

BeispielWareneinkauf auf Ziel, 1.000 €: Wareneinkauf 1.000 € an Verbindlichkeiten a. L. u. L. 1.000 €. Wareneinkauf = Aufwand (Soll), Verbindlichkeiten = Passivkonto (Haben).

Bilanzgleichung als Kontrollinstrument

Aktiva = Passiva (inkl. Eigenkapital auf der Passivseite). Die doppelte Erfassung sorgt dafür, dass die Bilanz immer ausgeglichen bleibt — verletzt eine Buchung diese Logik, ist der Buchungssatz sehr wahrscheinlich falsch.

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B

Bestandskonten richtig buchen

Bestandskonten bilden Vermögen und Kapital ab — sie zeigen Anfangs-/Schlussbestand sowie Zu- und Abgänge. Typisch sind Bank, Kasse, Forderungen, Verbindlichkeiten, Darlehen.

Merke„Soll" ist links, „Haben" ist rechts — immer.
KontotypZugangAbgang
AktivkontoSollHaben
PassivkontoHabenSoll

Typische Praxisfälle

  • Bankeinzahlung aus Kasse (300 €): Bank 300 € an Kasse 300 €
  • Darlehen wird ausgezahlt (10.000 € auf Bank): Bank 10.000 € an Darlehen 10.000 €
  • Lieferantenrechnung auf Ziel (800 €): Aufwand/Bestand an Verbindlichkeiten 800 €

Zusammengesetzte Buchungssätze

Oft besteht eine Buchung aus mehreren Soll- oder Haben-Konten. Die Grundregel bleibt: Summe Soll = Summe Haben.

BeispielRechnung über 700 € per Bank bezahlt: 500 € Miete + 200 € Werbung. Miete 500 € + Werbung 200 € an Bank 700 €.
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C

Erfolgskonten: Aufwand und Ertrag

Erfolgskonten erfassen alle erfolgswirksamen Vorgänge, beeinflussen Gewinn/Verlust und werden am Jahresende über die GuV abgeschlossen.

FormelUnternehmenserfolg = Erträge − Aufwendungen. Aufwand wird im Soll gebucht, Ertrag im Haben.

Praxisbeispiele

  • Telefonrechnung 120 € per Bank: Telefonaufwand 120 € an Bank 120 €
  • Büromaterial bar 35 €: Büromaterial 35 € an Kasse 35 €
  • Kunde überweist 1.500 €: Bank 1.500 € an Umsatzerlöse 1.500 €

Abschlusslogik am Jahresende

Alle Aufwands- und Ertragskonten werden über die GuV abgeschlossen; die GuV wird anschließend ins Eigenkapital abgeschlossen.

AbschlussketteErfolgskonten → GuV → Eigenkapital. Der Jahreserfolg „wandert" so ins Eigenkapital, und die Erfolgskonten starten im neuen Jahr wieder bei null.
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D

Eigenkapital und Privatkonto

Erfolgswirksam: Aufwendungen/Erträge verändern das Eigenkapital über die GuV. Erfolgsneutral: Einlagen/Entnahmen betreffen das Eigenkapital direkt, ohne über die GuV zu laufen.

Das Privatkonto ist ein Unterkonto des Eigenkapitals: Entnahmen im Soll (Eigenkapital sinkt), Einlagen im Haben (Eigenkapital steigt).

Typische Fälle

  • Private Barentnahme 300 € aus Kasse: Privatkonto 300 € an Kasse 300 €
  • Privateinlage 500 € auf Bank: Bank 500 € an Privatkonto 500 €

Abschluss des Privatkontos

  • Entnahmen > Einlagen: Eigenkapital an Privatkonto
  • Einlagen > Entnahmen: Privatkonto an Eigenkapital
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E

Mini-Fallstudie: 5 Geschäftsvorfälle

Ausgangslage: Unternehmer startet mit 1.000 € Barbestand (Kasse), keine Schulden.

  • 1. Einzahlung von 600 € von Kasse auf Bank
  • 2. Kauf Büromaterial 50 € bar
  • 3. Telefonrechnung 120 € per Bank bezahlt
  • 4. Umsatz: Kunde überweist 900 € auf Bank
  • 5. Private Entnahme 100 € aus Kasse
Lösung anzeigen (Buchungssätze)

1. Bank 600 € an Kasse 600 €
2. Büromaterial 50 € an Kasse 50 €
3. Telefonaufwand 120 € an Bank 120 €
4. Bank 900 € an Umsatzerlöse 900 €
5. Privatkonto 100 € an Kasse 100 €

HinweisIn dieser Lektion wird zur Vereinfachung ohne Umsatzsteuer gebucht.

Kontrollfrage: Was ist am Ende höher — Bank oder Kasse? Bank steigt durch Einzahlung (600 €) und Kundenzahlung (900 €), sinkt durch Telefon (120 €). Kasse sinkt durch Einzahlung, Büromaterial und Privatentnahme. Ergebnis: Bank liegt am Ende deutlich höher.

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F

Übungen mit Lösungen

Übung 1 · Bestandskonten (Aktiv an Aktiv)

Sie zahlen 500 € bar in die Bank ein. Bilden Sie den Buchungssatz.

Lösung anzeigen

Bank 500 € an Kasse 500 €. Begründung: Bank (Aktiv) nimmt zu → Soll. Kasse (Aktiv) nimmt ab → Haben.

Übung 2 · Erfolgskonten (Aufwand)

Sie erhalten eine Telefonrechnung über 120 € und überweisen sofort per Bank. Bilden Sie den Buchungssatz.

Lösung anzeigen

Telefonaufwand 120 € an Bank 120 €. Begründung: Aufwand im Soll, Bank (Aktiv) nimmt ab → Haben.

Übung 3 · Erfolgskonten (Ertrag)

Ein Kunde überweist 2.000 € auf Ihr Bankkonto. Bilden Sie den Buchungssatz.

Lösung anzeigen

Bank 2.000 € an Umsatzerlöse 2.000 €. Begründung: Bank (Aktiv) nimmt zu → Soll, Ertrag im Haben.

Übung 4 · Passivkonto (Schuld entsteht)

Sie erhalten eine Rechnung über 800 € auf Ziel, noch nicht bezahlt. Bilden Sie einen passenden Buchungssatz (ohne Umsatzsteuer).

Lösung anzeigen

Aufwand (z. B. Wareneinkauf) 800 € an Verbindlichkeiten a. L. u. L. 800 €. Begründung: Aufwand ↑ im Soll, Verbindlichkeiten (Passiv) ↑ im Haben.

Übung 5 · Privatkonto (Entnahme)

Der Unternehmer entnimmt 300 € aus der Kasse privat. Bilden Sie den Buchungssatz.

Lösung anzeigen

Privatkonto 300 € an Kasse 300 €. Begründung: Entnahme mindert EK → Privatkonto im Soll, Kasse (Aktiv) nimmt ab → Haben.

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G

Häufige Fehler & Prüf-Checkliste

Typische Fehler von Einsteigern

  • „Soll = Zugang" pauschal angenommen — falsch, hängt vom Kontotyp ab
  • Aufwand/Ertrag vertauscht: Erlöse fälschlich im Soll oder Aufwand im Haben
  • Privatentnahmen als Aufwand gebucht — falsch, Entnahmen sind erfolgsneutral
  • Passivkonten falsch herum: Zugang im Soll statt im Haben
  • Summe Soll ≠ Summe Haben bei zusammengesetzten Buchungssätzen (Rechenfehler)

Schnell-Checkliste vor dem „Speichern"

In 6 Schritten prüfen 1. Konten bestimmen: Welche Konten sind betroffen?
2. Kontotyp prüfen: Aktiv / Passiv / Aufwand / Ertrag / Privat
3. Richtung ableiten: Nimmt das Konto zu oder ab?
4. Soll/Haben-Regel anwenden
5. Ausgleich prüfen: Summe Soll = Summe Haben
6. Plausibilität: Ergibt der Vorgang wirtschaftlich Sinn?
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Σ

Zusammenfassung: Doppelte Buchführung auf einen Blick

In der doppelten Buchführung wird jeder Geschäftsfall mindestens zweifach erfasst: Sollkonto an Habenkonto. Dabei gilt immer: ∑ Soll = ∑ Haben.

KontotypZugang / ErhöhungAbgang / Verminderung
AktivkontoSollHaben
PassivkontoHabenSoll
AufwandskontoSoll
ErtragskontoHaben
PrivatkontoSoll = EntnahmeHaben = Einlage
Merksätze Soll ist immer links, Haben ist immer rechts. Aktivkonto: Zugang Soll, Abgang Haben. Passivkonto: Zugang Haben, Abgang Soll. Aufwand im Soll, Ertrag im Haben. Abschluss: Erfolgskonten → GuV → Eigenkapital. Einlagen/Entnahmen: erfolgsneutral über Privatkonto/Eigenkapital.

Weitere Lernvideos

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?

FAQ: Häufige Fragen

Was bedeutet „Soll an Haben"?

Der Betrag steht im Soll eines Kontos und gleichzeitig im Haben eines anderen — dadurch bleibt die Buchführung ausgeglichen.

Warum ist „Soll" nicht gleich „Zugang"?

Soll und Haben bezeichnen nur Kontoseiten. Ob das einen Zugang oder Abgang bedeutet, hängt vom Kontotyp ab (Aktiv- vs. Passivkonto).

Was unterscheidet Bestands- von Erfolgskonten?

Bestandskonten zeigen Vermögen und Kapital (Bilanz). Erfolgskonten erfassen Aufwand/Ertrag und werden am Jahresende über die GuV abgeschlossen.

Warum sind Privatentnahmen kein Aufwand?

Sie sind erfolgsneutral — keine Betriebsausgabe, sondern eine Eigenkapitalminderung über das Privatkonto.

Wann brauche ich zusammengesetzte Buchungssätze?

Wenn ein Geschäftsvorfall mehrere Aufwands- oder Ertragsbestandteile hat oder eine Zahlung auf mehrere Konten verteilt wird.

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