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Kostenrechnung · KLR II · Lektion 6

Prozesskostenrechnung

Autor: Dipl.-Kfm. Michael Schröder, Steuerberater Level: Fortgeschritten
Lernziele
  • Grundidee der Prozesskostenrechnung verstehen
  • Informationsvorteile gegenüber der traditionellen Vollkostenrechnung kennen
  • Allokations-, Komplexitäts- und Degressionseffekt unterscheiden
  • Anwendungsfälle der Prozesskostenrechnung einordnen
Grundidee: Abläufe statt Mengen Prozesskostenrechnung als Vollkostenrechnung Die drei Informationsvorteile Praxisbeispiel: Versandabteilung Anwendungsbereiche Übungen mit Lösungen Zusammenfassung
A

Grundidee: Abläufe statt Mengen

Die Prozesskostenrechnung betrachtet Abläufe und nicht Mengen. Prozesse sind Vorgänge mit geringem Entscheidungsspielraum — wiederkehrende, standardisierbare Tätigkeiten in indirekten Bereichen (z. B. Einkauf, Versand, Verwaltung).

Warum entstanden?Klassische Gemeinkostenzuschlagsätze (siehe KLR I Lektion 5) verteilen Gemeinkosten proportional zu Einzelkosten — das wird bei komplexen, indirekten Leistungsbereichen zunehmend ungenau. Die Prozesskostenrechnung schafft hier mehr Verursachungsgerechtigkeit.
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B

Prozesskostenrechnung als Vollkostenrechnung

WichtigDie Prozesskostenrechnung ist eine Vollkostenrechnung. Für jede Kostenstelle werden die relevanten Prozesse ermittelt.

Statt eines pauschalen Gemeinkostenzuschlags wird für jeden identifizierten Teilprozess (z. B. „Bestellung bearbeiten", „Paket versenden") ein eigener Kostensatz ermittelt — abhängig davon, wie oft dieser Prozess für ein Produkt oder einen Auftrag durchlaufen wird.

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C

Die drei Informationsvorteile

Im Vergleich zur traditionellen Vollkostenrechnung bietet die Prozesskostenrechnung drei Informationsvorteile:

EffektBeschreibung
AllokationseffektDie tatsächliche Inanspruchnahme der Kostenstelle wird genauer erfasst als über proportionalisierende Gemeinkostenzuschlagsätze
KomplexitätseffektHöhere Gemeinkostenbelastung bei komplexen Produkten wird durch die Aufspaltung der Prozesse sichtbar gemacht
DegressionseffektDie Gemeinkostendegression bei höherer Belastung der Kostenstelle wird berücksichtigt (Fixkostendegression bei Skaleneffekten)
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D

Praxisbeispiel: Versandabteilung

Ein Unternehmen der Stahlrohr-Produktion (Absatz international, u. a. Hochhaus- und Brückenbau) betrachtet seinen Versandbereich. In der Versandabteilung werden zunächst Teilprozesse festgelegt, die als Verursacher von Gemeinkosten im Vertriebsbereich gelten — z. B. „Sendung kommissionieren", „Verpackung vorbereiten", „Frachtdokumente erstellen".

PraxisnutzenHerrscht in einem Marktsegment starke Konkurrenz, ist eine präzise, kundenorientierte Produktpreiskalkulation entscheidend. Ist die Konkurrenz bei gleicher Qualität günstiger, drohen Kundenabwanderungen — die Prozesskostenrechnung unterstützt eine genauere, verursachungsgerechte Preiskalkulation, gerade für komplexe oder kundenindividuelle Aufträge.
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E

Anwendungsbereiche

  • Kundenorientierte Produktpreiskalkulation
  • Bewertung der Vorteilhaftigkeit einzelner Kundenaufträge oder -segmente
  • Identifikation überproportional teurer indirekter Bereiche (Einkauf, Logistik, Verwaltung)
  • Grundlage für Prozessoptimierung im Rahmen des Kostenmanagements (siehe Lektion 1)
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F

Übungen mit Lösungen

Übung 1 · Effekte zuordnen

Ordnen Sie zu: a) Ein komplexes Sonderprodukt verursacht mehr Prozessdurchläufe als ein Standardprodukt. b) Bei hoher Auslastung sinken die Kosten je Prozessdurchführung. c) Die tatsächliche Inanspruchnahme wird genauer erfasst als über pauschale Zuschlagssätze.

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a) Komplexitätseffekt. b) Degressionseffekt. c) Allokationseffekt.

Übung 2 · Eignung der Prozesskostenrechnung

In welchen Unternehmensbereichen ist die Prozesskostenrechnung besonders sinnvoll einsetzbar, und warum?

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In indirekten, gemeinkostenintensiven Bereichen wie Einkauf, Logistik oder Verwaltung — weil hier klassische, proportionale Gemeinkostenzuschläge die tatsächliche Kostenverursachung schlecht abbilden.

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Σ

Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Prozesskostenrechnung betrachtet Abläufe (Prozesse), nicht Mengen — und ist eine Vollkostenrechnung
  • Für jede Kostenstelle werden die relevanten Teilprozesse ermittelt
  • Sie bietet drei Informationsvorteile: Allokations-, Komplexitäts- und Degressionseffekt
  • Typischer Einsatz: präzisere, kundenorientierte Preiskalkulation in indirekten Bereichen mit hoher Komplexität
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