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IFRS · Lektion 6

Vorräte & langfristige Auftragsfertigung

Autor: Dipl.-Kfm. Michael Schröder, Steuerberater Level: Fortgeschritten
Lernziele
  • Bilanzpositionen des Vorratsvermögens kennen
  • Arten von Fertigungsaufträgen unterscheiden
  • Bilanzierung und Bewertung von Vorräten und Fertigungsaufträgen anwenden
Anwendungsbereich IAS 2 Bewertung von Vorräten Begriff Fertigungsauftrag Voraussetzungen der Teilgewinnrealisierung Methoden zur Ermittlung des Fertigstellungsgrads Übungen mit Lösungen Zusammenfassung
A

Anwendungsbereich IAS 2

Vorräte sind Vermögenswerte, die dienen:

  • zum Verkauf im gewöhnlichen Geschäftsverkehr
  • dem Herstellungsprozess für einen solchen Verkauf, oder
  • als RHB-Stoffe zur Produktion
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B

Bewertung von Vorräten

Erstbewertung

Ansatz mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten (AHK) — ohne Leerkosten bei Unterbeschäftigung.

Folgebewertung

Bewertungsvereinfachungsverfahren: 1) FiFo-Methode, 2) Durchschnittsmethode. Ein Methodenwechsel ist unzulässig.

Beispiel FiFo-Methode Zugänge: Juni 40 ME à 115 €, September 100 ME à 118 €.
Bilanzansatz 31.12. (FiFo: neueste Zugänge zuerst im Bestand):
100 ME × 118 € = 11.800 € + 40 ME × 115 € = 4.600 €
= Bilanzansatz 16.400 €
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C

Begriff Fertigungsauftrag

Ein Fertigungsauftrag ist ein kundenspezifischer Auftrag zur Fertigung eines umfangreichen Produktes (Beispiel: Kraftwerk, Schiff, Gebäude).

VertragsartenUnterscheidung von Festpreisverträgen und Kostenzuschlagsverträgen.
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D

Voraussetzungen der Teilgewinnrealisierung

Teilgewinnrealisierung (periodengerechter Erfolgsausweis, Percentage-of-Completion-Methode) nur bei verlässlicher Ermittlung des Fertigstellungsgrades.

Für Festpreis- und KostenzuschlagsverträgeZusätzlich für Festpreisverträge
Wahrscheinlicher Nutzenzufluss, verlässliche Bewertung der AuftragskostenVerlässliche Bewertung der gesamten Auftragserlöse möglich, verlässliche Ermittlung der noch anfallenden Kosten und des Fertigstellungsgrads
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E

Methoden zur Ermittlung des Fertigstellungsgrads

Inputorientierte VerfahrenOutputorientierte Verfahren
Cost-to-Cost-Methode: angefallene Kosten ÷ GesamtkostenMilestones-Methode: Erreichen eines vereinbarten Zustands auf dem Weg zum finalen Ergebnis
Effort-expended-Methode: erbrachte Leistung ÷ GesamtleistungValue-added-Methode: Vollendung einzelner physischer Teile der Gesamtleistung
Units-of-delivery-Methode: Anteil der gelieferten/gefertigten Teile an der Gesamtleistung
Percentage-of-Completion-Methode Umsätze werden entsprechend dem Fertigstellungsgrad ausgewiesen. Der Fertigstellungsgrad ergibt sich aus dem Verhältnis der bereits angefallenen Kosten zu den insgesamt geschätzten Kosten. Bei langfristiger Fertigung werden auch zurechenbare Fremdkapitalkosten einbezogen.

Vergleich mit HGB (Completed-Contract-Prinzip) in Bilanzierung Lektion 6/7: Umlaufvermögen & spezielle Vorräte.

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F

Übungen mit Lösungen

Übung 1 · FiFo-Bewertung

Zugänge: März 30 ME à 20 €, Juli 50 ME à 22 €. Bilanzstichtag: Bestand 60 ME. Ermitteln Sie den Bilanzansatz nach der FiFo-Methode.

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FiFo: neueste Zugänge zuerst im Bestand. 50 ME × 22 € = 1.100 € + 10 ME × 20 € = 200 € → Bilanzansatz 1.300 €.

Übung 2 · Percentage-of-Completion

Ein Fertigungsauftrag hat einen Gesamterlös von 1.000.000 €. Bis zum Stichtag sind Kosten von 300.000 € angefallen, die geschätzten Gesamtkosten betragen 750.000 €. Wie hoch ist der zu realisierende Umsatz nach der Cost-to-Cost-Methode?

Lösung anzeigen

Fertigstellungsgrad = 300.000 ÷ 750.000 = 40 %. Zu realisierender Umsatz = 1.000.000 € × 40 % = 400.000 €.

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Σ

Zusammenfassung

Das Wichtigste in Kürze
  • Vorratsvermögen: kurzfristiges Vermögen (Umlaufvermögen) zum Verkauf oder zur Fertigung
  • Erst- und Folgebewertung von Vorräten: AHK + Bewertungsvereinfachungsverfahren (FiFo, Durchschnitt)
  • Fertigungsauftrag: langfristige Fertigung mit Festpreis- oder Kostenzuschlagsvertrag
  • Voraussetzungen der Teilgewinnrealisierung: Nutzen und Kosten müssen kalkulierbar sein
  • Methoden zur Ermittlung des Fertigstellungsgrads: input- und outputorientierte Verfahren
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